“Ein Gentleman liest nicht die Post anderer Leute” – dieser diplomatische Ehrenkodex wurde dem wichtigsten Spion des Zweiten Weltkrieges zum Verhängnis. Von 1943 bis Kriegsende liefert Fritz Kolbe, Beamter im deutschen Auswärtigen Amt, den Amerikanern zahllose wichtige Dokumente, darunter rund 1.600 geheime Telegramme. Sein Motiv: Er hasste die Nazis und wollte, dass Deutschland den Krieg so schnell wie möglich verliert. Doch Kolbes Warnung vor der Liquidation der Juden in Rom blieben ebenso ohne Konsequenzen wie die Informationen über die Deportation der ungarischen Juden. Und dieser mutige Einsatz wurde nicht belohnt. Obwohl Kolbe das NS-Regime überlebt, wurde ihm die Anerkennung als Widerstandskämpfer verweigert. Das Auswärtige Amt wurde nie “entnazifiziert” und beschäftigt hauptsächlich Beamte, die dort bereits in der Zeit des Nationalsozialismus ihren Dienst versahen. Kein Wunder, dass Kolbe nicht in den Diplomatischen Dienst zurückkehren durfte. Er bestritt seinen Lebensunterhalt als Vertreter für Motorsägen. Als er 1971 starb, standen nur zehn Menschen an seinem Grab, darunter zwei hochrangige Abgesandte des CIA.
Arte, Redaktion: Dagmer Mielke; RBB, Redaktion: Jens Stubenrauch
Genre: Dokumentation Titel: Fritz Kolbe: Spion gegen Hitler Autor: Peta Wolter, Reinhard Joksch Regie: Reinhard Joksch Kamera: Marc Hennicke, Peta Wolter